Medizin ist ständig im Fluss: Stand des Buches ist August 2018. Durch meine berufliche Tätigkeit und die Mitgliedschaften in Fachgesellschaften beziehe ich zahlreiche Zeitschriften und Informationsschreiben aus den Bereichen Notfallmedizin/Anästhesie, Reise-, Höhen- und Tauchmedizin, Innere Medizin, Infektionskrankheiten, hausärztliche Versorgung und Arzneimittel. Neues für die medizinische Selbsthilfe - zuhause wie unterwegs - und Korrekturen des Buches werden hier eingestellt:

August 2019: Die ersten Berichte über den Knebelverband (Torniquet: franz. Drehkreuz, Kreisel) stammen aus den Feldzügen Alexander des Großen. Durch die Kriege im Nahen Osten und Afghanistan wie die Bombenanschläge in unseren Städten hat er eine traurige Renaissance erfahren:

  1. Ist die Methode effektiv? Ja, vorausgesetzt sie wird sofort angewendet, bevor viel Blut verloren geht - logisch.
  2. Kann diese "künstliche Durchblutungsstörung" zusätzlichen Schaden anrichten? Ja, doch unter´m Strich ist eine Anwendungsdauer von bis zu sechs Stunden unbedenklich. Ein Torniquet schmerzt und verursacht in 3% Taubheitsgefühle, wenn er oberflächliche Hautnerven quetscht.
  3. Ist dazu eine medizinische Berufsausbildung notwendig? Nein. Die Berufsgenossenschaften empfehlen, auch Ersthelfer darin zu schulen, wenn im Betrieb ein entsprechendes Verletzungsrisiko besteht. Ganz aktuell unterstützen die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und die Deutsche Traumastiftung die "Trauma-Box" der Fa. Hartmann, in der Piktogramme für die Anwendung reichen.
  4. Lässt sich der Knebelverband improvisieren? Ob das klappt und sich schnell umzusetzen lässt, hängt ganz von dem Material ab, welches zur Verfügung steht. Natürlich geht das mit kommerziellen Produkten sehr schnell, aber wette nicht gegen ein Pfadfinderhalstuch: "Wenn es wüst blutet, dann knote ein Halstuch locker um´s Bein und dreh´s mit einem Stock fest." schrieb schon Robert Baden-Powell 1908 in Scouting for Boys. Der hatte als Kavallerieoffizier des britischen Empire genug Gefechtserfahrung gesammelt. Geht auch mit einem gefalteten Dreiecktuch und einer Verbandsschere als Knebel.

Juli 2019: Empfehlungen zur Malariaprophylaxe durch den Ständigen Ausschuss für Reisemedizin (StAR) der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG). Veröffentlicht in: Flug u Reisemed 2019, 26: 105-132. Neu ist, das die Kriterien für eine Notfall-Stand-by-Therapie (bei geringem oder mittlerem Malariarisiko im Zielgebiet) strenger gefasst werden. So soll die Tabletteneinnahme nur noch erfolgen:

  • bei Fieber über 38°C in der Achselhöhle gemessen (früher: über 38,5°C ohne Angabe des Messortes) - UND -
  • wenn mehr als 6 Tage seit der Einreise in das Malariagebiet vergangen sind (Mindest-Inkubationszeit) - UND -
  • keine Möglichkeit einer ärztlichen Untersuchung incl. Blut-Mikroskopie innerhalb von 48 Stunden (früher 24 h) besteht.

Die verlängerte Zeitspanne von 48 h soll eine unnötige Notfalltherapie bei kurzen Fieberschüben anderer Ursache vermeiden. Auch neu sind Detailkarten der weltweiten Malariagebiete, um in der ärztlichen Beratung exakt auf aktuelle, örtliche Risiko einzugehen. Auch die Karten sind über den o. g. link verfügbar.


Juni 2019: FSME bei Kindern und Jugendlichen: doch nicht so harmlos? Bislang galt FSME unter Heranwachsenden in aller Regel als harmlos: Lähmungen sind selten und ein schwerer Dauerschaden eine Rarität. Im Vorschulalter tritt die Krankheit nahezu gar nicht auf. Früher erlitten einzelne Kinder bleibende Defekte, doch quasi nur dann, wenn zuvor (a) Kortison unter der falschen Annahme einer bakteriellen Meningitis oder (b) vermeintlich vor FSME schützende Antikörper gespritzt wurden. So impfen die Schweizer erst ab dem 6. Lebenjahr dagegen. Diese Sätze müssen nun überdacht werden. Prof. Dr. med. Robert Steffen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin und WHO Collaborating Centre for Travellers’ Health an der Universität Zürich, hat über 103 Studien zum Verlauf von FSME bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen zusammengefasst. (Ticks and Tick-borne Diseases 10 (2019):100-110)

  • In den Ländern mit mehr als 10 FSME-Fällen/100.000 Einwohner sind unter den Erkrankten 11 - 24% Kinder jünger als 14 Jahre. Bezogen auf die gesamte Europäische Union waren unter den 3953 zwischen 2014 und 2015 Erkrankten 2% Kinder jünger als 6 Jahre (Daten des European Centre for Disease Control).
  • FSME-Symptome sind bei Kinder meist unspezifisch und milder als bei Erwachsenen: Phase 1 (1-6, max. 14 Tage): Fieber, Kopfschmerzen, "Erkältung", allgemeines Krankheitsgefühl, in 1/4 aller erkrankten Kinder wird die Phase gar nicht bemerkt. Teils besteht eine Nackensteife: Hier lässt sich das Kinn sich nicht auf die Brust beugen. Anschließend folgt ein beschwerdefreies Intervall von 2 bis 25 Tagen.
  • Eine Phase 2 findet sich nur in 5 bis 30% der erkrankten Kinder: Hirnhautentzreündung (Meningitis), Zittern der Zunge, Schäfrigkeit, Schwindel, Gang- und Standunsicherheit, Verhaltensänderungen, epileptische Krampfanfälle, Lähmungen im Gesicht oder von Gleidmaßen. Schwere Verläufe sind bei älteren Kindern häufiger. 0 bis 22% werden auf Intensivstationen behandelt. Zwischen 0 bis 10% der neurologischen Ausfälle bleiben dauerhaft bestehen. Allerdings erleiden an Phase 2 erkrankte Erwachsene noch deutlich häufiger dauerhafte Schäden: in 26 bis 46%.
  • Insgesamt starben in Europa zwischen 2008 und 2012 vier Kinder daran, darunter ein unvollständig geimpftes Kind. Sie waren 11 Jahre alt oder älter. 1983 wurde vom Tod eines Fünfjährigen berichtet.
  • Neue Beobachtungen: Zwischen 2004 und 2009 haben drei schwedische Studien mittels sensibler neuropsychologischer Tests bei rund 50% der erkrankten KInder monatelange Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen festgestellt, die auch anhand schlechteren Schulnoten objektivierbar waren. Teils wurden Veränderungen der Gehirnströme (EEG) und in der Magnettomographie (MRT) dokumentiert.
  • Die WHO empfiehlt FSME-Impfung ab dem 1. (-3.) Lebensjahr in Ländern mit mehr 5 Erkrankungen/100.000 Einwohnern/Jahr. Der Autor der Übersichtsarbeit regt an, diesbezüglich den offiziellen Schweizer Impfplan (BAG/EKIF), erst ab dem 6. Lebensjahr gegen FSME zu impfen, zu überdenken. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (STIKO) zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr in Gebieten mit einer FSME-Rate von (vereinfacht) mehr als einer Erkrankung/100.000 Einwohnern/innerhalb von 5 Jahren mit dem Impfen zu beginnen.


Juni 2019: WELCHE SONNENCREME? Oxybenzone in fettfreien Gelen können die Haut irritieren, Akne verstärken, hormonelle Wirkungen haben und im Meer die Korallen angreifen (Mitverursacher der „Korallenbleiche“). Octocrylen als Alternative zu Oxybenzonen scheint auch ungesund für Menschen und Korallen zu sein. Hawai wird ab 2021 Oxybenzon und Octinoxat verbieten. Wahrscheinlich ist eine zink- und titanhaltige ("mineralische") Sonnencreme besser: Zinkoxid wird häufig für wasserfeste Mittel verwendet, erkennbar an der weißlichen Farbe nach dem Auftragen. Es wirkt antibakteriell und wird sonst zur Wund- und Aknebehandlung genutzt. Doch in Form von "Nanopartikeln" wird es in den Körper aufgenommen mit bislang nicht absehbaren Folgen - und schädigt ebenfalls die Meereswelt. Das gilt gleichfalls für Titanoxid. Doch einen Sonnenschutz ausschließlich auf dem Boden von Zink- und Titanoxid - ohne Nanopartikel und dem ebenso entbehrlichem Mikroplastik - zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Verbraucherportal Utopia hat im Mai 2019 neun empfehlenswerte "mineralische" Bio-Sonnencremes ausfindig gemacht, die alle genannten Kriterien erfüllen. Vier davon wurden auch durch Ökotest im Juni 2019 als gut oder sehr gut befunden: Eco Cosmetics Bio-Sonnenschutz, Eubiona Bio-Sonnencreme, Lavera Sensitiv Sonnencreme und Laboratoires de Biarritz Bio-Sonnenschutz Alga Maris. Für längeres Schnorcheln empfehlen sich ein altes T-Shirt (mäßiger UV-Schutz) oder noch besser Badehemden mit hohem UV-Schutz oder Ganzkörper-Schnorchelanzüge aus Lycra. Letztere dienen zusätzlich als Quallenschutz. Nachtrag: Auch die Stiftung Warentest befasste sich im Juli 2019 mit Sonnencremes ("Erstklassiger Sonnenschutz für unter 3 Euro"), leider ohne ökologische Kriterien zu berücksichtigen - die Begründung: das Umweltbundesamt. "Innerhalb der EU wird geprüft, ob die Daten ausreichen, um die Stoffe auch EU-weit zu verbieten." Und: "Nach unserer Meinung reichen die Daten (bzgl. Octinoxat und Oxybenzon) bislang nicht. Wir klären aktuell, ob wir weitere Studien anfordern." Ja, das wäre zumindest ein schöner Anfang, wissenschaftlich betrachtet. Aber Auf-Nummer-Sicher geht anders: Unter denen von Stiftung Warentest mit "gut" bewerteten Produkten befand sich erneut die unbenkliche Lavera Sensitiv Sonnencreme, die es in vielen Drogerieketten und Naturkostläden für 8 bis 10 Euro (100 ml) zu kaufen gibt. Wo ist das Problem?


Mai 2019: Verfälschte Laborwerte bei Einnahme von BIOTIN. (Vitamin B7, Vitamin H). Biotin wird in der Behandlung von Multipler Sklerose und als freiverkäufliches Nahrungsergänzungsmittel für das Nagel- und Haarwachstum sowie für die Haut verwendet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFArM) weist darauf hin, dass Biotin-Präparate Laboruntersuchungen erheblich stören können. Machen Sie bei Blutentnahmen unbedingt darauf aufmerksam, wenn sie diese einnehmen. Beispiele sind: Betapharm Arzneimittel Biotin beta - Dermapharm Deacura - Dyckerhoff Pharma Biotin Asmedic - Hermes Arzneimittel Hermes Biotin - Heumann Pharma Biotin - Hexal AG Biotin - Hübner Naturarzneimittel Biotin S - Kräuterhaus Sanct Bernhard Biotin SB - QUIRIS® Healthcare Biotin Impuls® - ratiopharm GmbH Biotin - Rodisma‐Med Pharma GmbH Natubiotin - Strathmann GmbH & Co. Gabunat/- forte.


April 2019: WARNHINWEISE FÜR CIPROFLOXACIN und andere (Fluor-) Chinolon-Antibiotika, die als Tablette, Infusion oder inhalativ eingesetzt werden. Sie werden auch als Gyrasehemmer bezeichnet. Deren Namen enden in der Regel mit "-floxacin". Ciprofloxacin in Form von Augen- oder Ohrentropfen ist davon nicht berührt. In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) informierten das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) bzw. das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BSAG) Ärzte und Apotheker im Oktober 2018 über ein erhöhtes Risiko für das Aussacken und Reißen der Hauptschlagader (Aorta), besonders bei Personen mit Gefäßsklerose, rheumatischen Gefäßerkrankungen, Bindegewebsschwäche (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom) oder Ältere mit Bluthochdruck. Im April 2019 folgte eine weitere Warnung, die Chinolon-Antibiotika nicht mehr bei harmlosen Infekten oder gar prophylaktisch einzusetzen. Dazu zählen u. a. (1.) Atemwegsinfekte wie: Rachen-, Mandel-, Mittelohr- und Nasennebenhöhlenvereiterungen, eine akute Bronchitis bzw. eine leichte oder mittelschwere, akute Verschlechterung einer COPD ("Raucherlunge", "Blählunge"), (2.) Reisedurchfall sowie (3.) Blasen- oder Harnwegsinfekte. Natürlich sollten (4.) keine Personen mit Chinolonen behandelt werden, die durch sie schon einmal schwere Nebenwirkungen erlitten haben. Neben dem oben genannten Reißen der Hauptschlagader sind dies Sehnen- und Muskelrisse, Sehnen-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlaflosigkeit, Depressionen, allgemeines Schwächegefühl, Vergesslichkeit, Taubheitsgefühl sowie Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmacksstörungen. Bei schweren Infektionen sollte geprüft werden, ob nicht andere Antibiotika besser wären, d. h. bei Gallengangs- oder Dickdarmentzündungen, Cholera, Ruhr, Typhus und Nierenbeckenvereiterungen.


April 2019: PFADI-HELPLINE (Nur für Mitglieder der Pfadibewegung Schweiz; PBS). Die Notfallnummer für´s Ausland ändert sich. Ab Mitte Mai 2019 wird die Nummer +41 580 588 899 gültig sein. Die Notfallnummer für Anrufe aus der Schweiz selbst bleibt gleich: 0800 22 36 39. Alle Angaben ohne Gewähr. Siehe auch: Sarasani Nr. 39 auf S. 10-11.


März 2019: NEUE FSME-RISIKOGEBIETE in Deutschland und in der Schweiz. Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben im Februar 2019 nun die gesamte Schweiz bis auf Genf und das Tessin wegen steigender Erkrankungszahlen zum Risikogebiet für die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erklärt. In Deutschland hat das Robert Koch Institut (RKI) - entsprechend den Daten aus 2018 - fünf weitere Landkreise neu als FSME-Risikogebiete klassifiziert: die Landkreise Emsland, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg a. Lech und der Stadtkreis Kaufbeuren, auf dieser Übersichtskarte sind alle deutschen Risikogebiete verzeichnet. Die Ständige Impfkommision (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in FSME-Risikogebieten draußen Kontakt mit Zecken haben könnten, auch Touristen. Im langjährigen MIttel treten in Deutschland 380 FSME-Erkrankungen jährlich auf, vorwiegend in Süddeutschland. Als Risikogebiet gilt in Deutschland (vereinfacht) ein Land- oder Stadtkreis, wenn im Zeitraum seit 2002, (1.) bezogen auf fünf aufeinanderfolgende Jahre, (2.) mehr als eine Person pro 100.000 Einwohner erkrankt - oder (3.) diese Häufigkeit im Zusammenschluß mit den angrenzenden Landkreisen erreicht wird. (Die bakteriell bedingte Borreliose ist wesentlich häufiger: hier ereignen sich in Deutschland geschätzt 80.000 bis 215.000 Erkrankungen jedes Jahr - zumeist die leicht erkennbare und gut behandelbare Wanderröte.) Weitere FSME-Risikogebiete sind Elsass-Lothringen, einzelne Landstriche in Holland und Norditalien, Österreich, Slowenien, Südschweden, Osteuropa (besonders die baltischen Staaten, Tschechien, Slowakei, Ungarn) und Russland bis nach Nordjapan.


Februar 2019: STABILISIERUNG VON BECKENBRÜCHEN: Der professionelle Rettungsdienst hält spezielle Beckenschlingen bereit, um innere Blutungen durch Beckenbrüche zu bremsen, z. B. SAM Pelvic Sling II. Diese werden in Höhe der Leisten angelegt - niemals höher - und erlauben eine Bandagierung mit wohldosierter Kraft. Ein Video der Österreichischen Bergrettung zeigt eine improvisierte Technik mittels Rettungsdecke und einem Karabinerhaken: Eine gute Idee, wenn fernab von professioneller Hilfe nach schweren Stürzen das Becken schmerzt. Achtung: Prüfe niemals die Beckenstabilität durch das Zusammendrücken von der Seite und vorne: Der Test ist unzuverlässig und provoziert schwerste Blutungen, wenn sich dabei ein Beckenbruch verschiebt! Bevor die Beckenschlinge angelegt wird, müssen harte Gegenstände aus den Hosentaschen entfernt werden: Portemonnaie, Schlüssel, Handy, Messer, Beil.


Januar 2019: VITAMIN D. Bei täglich weniger als 15 - 30 min Sonnenschein an Gesicht und Armen wird zuwenig Vitamin D gebildet. Folgen sind Rachitis bei Kindern (Knochenverformung), Osteoporose bei Älteren ("morsche Knochen": vermehrte Knochenbrüchigkeit) und gehäufte Infekte der oberen Atemwege. Parallel zum Licht- und Vitamin D-Mangel - ob Zufall oder nicht - häufen sich Herz- und Gefäßerkrankungen, Typ 2-Diabetes und Krebsleiden. Auch haben hellhäutige Sonnenvermeider (1) wie Menschen mit dunkler Haut in gemäßigten Breiten (2) eine höhere Gesamtsterblichkeit wie umgekehrt Sonnensucher eine niedrigere: Von den fast 30.000 Teilnehmerinnen einer schwedischen Beobachtungsstudie (1) vermieden 6% die Sonne in jeder Hinsicht. Nach 15 Jahren hatten diese eine Überlebensrate von 93 statt 96%, d. h. doppelt so viele von ihnen waren gestorben! Andere Einflüsse auf die Gesundheit wie Ausbildung, Einkommen, Familienstand, Körpergewicht, Sport, Alkohol und Rauchen hatten die Analysten berücksichtigt. So werden ab dem 40. Lebensjahr täglich 800 Einheiten (I. E.) Vitamin D und kalziumreiche Nahrung (min. 1 g) bei ungenügendem Sonnenlicht empfohlen. Lassen sich die Folgen eines Vitamin D-Mangels wirklich mit ein paar Tablettchen verhindern? Ja, bei Altenheimbewohnern brechen seltener die Knochen! Auch senkt niedrig dosiertes Vitamin D (800 - 2000 E/Tag, bzw. 5000 - 14.000 E/Woche) die Wahrscheinlichkeit von mindestens einem oberen Atemwegsinfekt pro Jahr (Nase, Nasennebenhöhlen und Rachen) relativ um 28% bei Kindern und Jugendlichen und bei niedrigen Vorwerten (25-OH-Vit. D < 25 nmol/L: 55 vs. 40%). Bei Asthmatikern ist der Effekt geringer (51 vs. 47%). Das ergab die Metaanalyse (Zusammenfassung) von knapp 11.000 Personen aus 25 Studien (3). Ähnliche Effekte finden sich bei COPD-Patienten mit Vitamin D-Spiegeln unter 50 nmol/L. Auch ohne, im Labor nachgewiesenen Mangel erscheinen bei spärlichem Sonnenlicht 800 I.E. pro Tag zwanglos klüger als gar kein Vitamin D. Gehäufte Nierensteine oder Störungen der Nebenschilddrüsen konnten in der zitierten Metaanalyse (3) unter 800 I.E./Tag nicht gefunden werden. Dagegen sind ohne tatsächlichen, nachgewiesenen Mangel 2000 - 3000 I.E/Tag zuviel (bzw. 20.000 I.E./Woche): hier verkalken nicht nur die Knochen, sondern auch die Gefäße - und Herzinfarkte nehmen zu!


Dezember 2018. WO sollte man Vitamin D kaufen? In der Dezemberausgabe 2018 macht das Verbrauchermagazin Ökotest einen feinen Unterschied zwischen apothekenpflichtigen, aber wohlgemerkt rezeptfreien Vitamin D-Präparaten, deren grundsätzliche Wirksamkeit es postuliert, und dem in Drogerien und Supermärkten erhältlichen Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel, das es für gesunde Verbraucher als grundsätzlich nutzlos klassifiziert - Zitat: "Nahrungsergänzungsmittel floppen. Alle Arzneimittel können wir empfehlen." Dabei geht die Ökotest-Redaktion vermutlich davon aus, das "Apotheken-Vitamin D" nur nach "ärztlicher Rücksprache und Kontrolle" bzw. Diagnose eines Mangels verkauft wird, das stimmt aber nicht - eben weil es rezeptfrei ist! Paradoxerweise wurden diejenigen Supermarktprodukte abermals abgewertet, welche 1000 I.E. des Vitamins enthalten - ein wenig mehr als empfohlen - wohingegen die apothekenpflichtigen Präparate allesamt 1000 I.E. pro Tablette bieten. Pharmakologisch lässt sich das nicht nachvollziehen. So bediene mich weiter im Supermarkt, wenn mein Alltag nicht genug Sonne bietet.


November 2018. Da es in Deutschland auf absehbare Zeit KEIN NATIONALES ROAMING geben wird, d. h. eine Anbieter-übergreifende Nutzung der Funkmasten, verkleinern zwei SIM-Karten verschiedener Anbieter auf ´s Erste die Löcher im Netz, also am besten ein wassergeschütztes Dual-Sim-Smartphone.


Oktober 2018. SEENOTRETTUNGSSENDER: Nur "Mayday-Mayday-Mayday" reicht nicht (1). Sie dürfen nicht auf Binnengewässern benutzt werden, unterliegen teils gesetzlichen Auflagen und garantieren keinen direkten Kontakt zu einem „Marine Rescue Coordination Center“. Die Sprachform des Notrufs muss eine exakte Norm erfüllen, damit er überhaupt ernst genommen wird, denn vielerorts quillt der Notfallfunkkanal („Channel 16“) mit Fehlalarmen über! Zu glauben, dass auf ein Funksignal hin Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe prompt ihren Kurs ändern – wäre naiv. Nach internationalem Seerecht müssen sie nur „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ helfen, so geht natürlich deren eigene Sicherheit vor. Auf stark befahrenden „Wasserstraßen“ besteht Kollisionsgefahr mit anderen Schiffen. Außerdem verhindert knapp kalkulierter Schiffsdiesel weitreichende Manöver. Salopp gesagt: weniger wendig als ein Kajak sind sie auch. Zum Nachlesen: (1) Linkenbach C. Verlassen, wenn man sich auf andere verlässt? Caisson Juli 2018, S. 6-19. Voraussichtlich ab Mitte 2019 ist diese Ausgabe der Verbandszeitung der Taucherärzte kostenlos abrufbar.


September 2018: VORSICHT MIT DER HITZEANWENDUNG BEI INSEKTENSTICHEN. Hitze zerstört die Eiweißstruktur von Bienen- und Wespengift. Moderate Hitze kann, sofort angewendet, örtliche und generalisierte allergische Reaktionen komplett verhindern und ist eine sinnvolle Erstmaßnahme - erst recht bei bekannter Allergie! Das erfolgt zum Beispiel mit einem Teelöffelchen aus dem heißen Kaffeebecher oder mit einer Münze, die mit einem Feuerzeug erwärmt wurde. Solange diese noch mit den Fingern gehalten werden kann, sind Verbrennungen unwahrscheinlich. Bite away Cobra ist ein kommerzielles, batteriebetriebenes System für diesen Zweck (20 - 23 Euro), welches für wenige Sekunden auf 51°C aufheizt. Doch Vorsicht: Der Hitzeschmerz (ab 45°C) sollte immer ein Stoppsignal sein - um Hautschäden zu vermeiden. Im September 2018 verurteilte das Amtsgericht Cochem einen Lehrer wegen "gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall" zur Zahlung von 2700 Euro: Er hatte eine erhitzte Gabel auf den Wespenstich eines Schülers gedrückt. Dabei entstand eine Brandblase, welche von einer weiteren Lehrerin eröffnet und mit einer Salbe versorgt wurde. Das wertete das Gericht als "Beihilfe", geahndet mit 2500 Euro... Die Moral aus der Geschichte: Aufsichtspersonen sollten sich mit der Hitzeanwendung vornehm zurückhalten, selbst wenn diese klug und vorsichtig eingesetzt wird. Besser wird es dem Schutzbefohlenen überlassen, ob er sich selbst behandelt. Zudem werden in der Erstversorgung Brand- und Erfrierungsblasen nicht eröffnet, weil durch die geschädigte Durchblutung eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.


August 2018: LED-LAMPEN STÖREN FUNKGERÄTE und den Radioempfang, so eine Mitteilung der US Coast Guard.