Medizin ist ständig im Fluss: Stand der zweiten Buchauflage ist November 2019. Durch meine berufliche Tätigkeit und die Mitgliedschaften in Fachgesellschaften beziehe ich zahlreiche Zeitschriften und Informationsschreiben aus den Bereichen Notfallmedizin/Anästhesie, Reise-, Höhen- und Tauchmedizin, Innere Medizin, Infektionskrankheiten, hausärztliche Versorgung und Arzneimittel. Neues für die medizinische Selbsthilfe - zuhause wie unterwegs - und Korrekturen des Buches werden hier eingestellt:

Oktober 2020: Outdoor-Erste-HIlfe: 100 Tricks für unterwegs. Mit Grafiken von Sonja Heller... ist das Allerallerwichtigste aus "Leben retten und medizinische Selbsthilfe": Der Inhalt umfasst die normale Erste Hilfe - incl. aktuelle Empfehlungen der Fachgesellschaften in der Corona-Krise - plus Extras für unterwegs: Notruf ohne Netz. Wie finden Rettungskräfte den Notfallort fern von Straßen und Hausnummern? Lebensgefährliche Situationen erkennen. Knebelverband für schwere Blutungen. Tape-Verband für verstauchte Knöchel. Erkennen und notfalls Einrenken eines ausgekugelten Sprunggelenkes (Hier läuft die Zeit schneller als bei einer ausgekugelten Schulter!). Wundversorgung unterwegs. Entfernen von festsitzenden Ringen. Borreliose erkennen. Juckreiz – was kann draußen die Ursache sein? Höhenkrankheiten: Ursache, Erkennen, Behandlung und Prophylaxe. Das Wichtigste zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Vorschlag für ein Erste-Hilfe-Set. Insgesamt gar nicht so wenig auf 48 DIN A6-Seiten, die 3 mm schmal und 33 g leicht in fast jeden Rucksack passen. Nur 3,50 Euro [D/A] bzw. 4,00 SFR [CH: UVP]. Ab 19.10.2020 im Buchhandel (ISBN 9783982145310) oder im 10er-Pack auf dieser Seite.

September 2020: Herzinfarkt-Diagnose mit der Apple-Watch. Nicht jeder Herzinfarkt zeigt Veränderungen im EKG, wenn aber typische Veränderungen vorliegen ("angehobene ST-Strecke" in mehreren Ableitungen), dann ist die Diagnose eindeutig. Eine italienische Forschergruppe konnte bei 81 Herzinfarktpatienten und 19 gesunden Personen verschiedene Ableitungen mit der Apple-Watch improvisieren und dabei Herzinfarktzeichen darstellen. JAMA Cardiol. Published online August 31, 2020. doi:10.1001/jamacardio.2020.3994

August 2020: Gefahren beim Trampolinspringen und auf Hüftburgen. Prellungen durch Zusammenstöße und Knöchelverstauchungen sind häufig. Grundsätzlich sollten Trampoline nur durch Einzelpersonen benutzt werden und schon gar nicht, auch nicht Hüftburgen, durch unterschiedliche schwere Personen gleichzeitig. Wenn Erwachsene und Kinder zusammen springen, kommt es zu einem Katapulteffekt: Das gestreckte Bein des Kindes wird einer erheblichen kinetischen Energie ausgesetzt. Folgen sind feine Knochenbrüche (Haarrisse) am knienahen Schienbein und am Becken (Schambein). Im schlimmsten Fall wird die leichtere Person über das Fangnetz des Trampolins, bzw. über die Hüpfburg hinweggeschleudert - mit schweren Stürzen als Folge. Saltos und ähnliche Sprünge können schwere Verletzungen vom Kopf und (Hals-) Wirbelsäule zur Folge haben und sollten ohne professionelle Anleitung unterbleiben. Wegen häufiger Verletzungen sind in den USA Trampoline für Unter-6-Jährige nicht zugelassen und werden auch hierzulande sehr kritisch gesehen. Allgemein ist die Aufsicht von Erwachsenen notwendig. Beachte die Sicherheits- und Gebrauchsanweisungen. Nach: Elsäßer et al, http://www.kinder-undjugendarzt.de/download/51.(69.)Jahrgang2020/KJA_6-2020_Web.pdf - der Mitgliederzeitschrift des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/76219/Unfallchirurgen-warnen-vor-Verletzungsgefahren-durch-Trampoline

Mai 2020: Der kleine Feldscher. Das Allerallerwichtigste an "Outdoor-Erste-Hilfe" hier als 48-seitiges DIN-A6-Heftchen, d. h. eine PDF für´s Smartphone oder als Druckvorlage zum Selberausdrucken, verteilt auf die Vorder- und Rückseiten von sechs DIN A4-Blättern. Das Heft berücksichtigt Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Wiederbelebung während der Corona-Krise.

Mai 2020: Der Deutsche Rat für Wiederbelebung empfiehlt in der Corona-Krise beim Kreislaufstillstand von unbekannten Personen auf die Mund-zu-Mund/Nase-Beatmung zu verzichten. Bei der Prüfung der Atemwege soll nicht mehr auf das Atemgeräusch oder den Atemhauch geachtet werden. Der Mund-Nasenbereich des Bewußtlosen soll mit einem Tuch abgedeckt werden, um die Aerosolbildung bei der Herzdruckmassage zu reduzieren. Bei Kindern - hier ist die Beatmung für die Überlebenschancen sehr wichtig - und bei Angehörigen im Haushalt - hier vermutlich kein wesentlicher Risikozuwachs für den Retter - wird es Laienhelfern überlassen, doch eine Atemspende durchzuführen, wenn sie sich der Infektionsgefahr für SARS-CoV-2 bewusst sind. Das Swiss Resusctation Council und der Österreichische nRat für Wiederbelebung gehen im Einklang mit dem European Resuscitation-Council noch einen Schritt weiter, und empfehlen Laienhelfern nur bei Kindern das Öffnen der Atemwege (Esmarch-Handgriff). Bei Erwachsenen sollen allein Herzdruckmassage und Defibrillation erfolgen, um die Aerosolbildung zu mindern. Soweit vorhanden, sollten Laienhelfer Mund-Nase-Schutz, FFP-Masken, Handschuhe oder andere Schutzausrüstung tragen. Nach dem Eintreffen professioneller Rettungskräfte sollen sie ihre Hände zumindest mit Seife waschen und ihre Kontaktdaten weitergeben, damit sie über das Ergebnis der nachfolgenden SARS-COV-2-Testung (bei Krankenhausaufnahme oder Tod der Person) informiert werden.

April 2020: Rüdiger Nehberg ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Hamburger Konditormeister war der deutsche Altmeister "Der Kunst zu überleben - Survival" im Allgemeinen und von "Medizin Survival" im Besonderen. Erst machte er sich mit spektakulären Abenteuerreisen einen Namen: am blauen Nil entlang, durch die Wüste Danakil, 1000 km durch den brasilianischen Dschungel oder mit einer Atlantiküberquerung per Floß. Dann nutzte er seine Bekanntheit, um sich mit der Gesellschaft für bedrohte Völker e. V. für die Rechte der Yanonami-Indianer und den Erhalt des Regenwaldes einzusetzen. Zusammen mit seiner Frau engagierte er sich gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen in Afrika. Dass er 2006 eine Konferenz renommierter muslimischer Gelehrter in Kairo initieren konnte, welche diese archaische Brutalität als unvereinbar mit dem Islam ächtete, war ein riesiger Fortschritt und sein größter humanitärer Erfolg. Das Rechtsgutachten ("Fatwa") der Konferenz wird als "Goldenes Buch" verbreitet und verhindert über die Imame vor Ort unzähliges Leid. Weiter schuf er zusammen mit dem Berufsverband der Frauenärzte e. V. eine Geburtsklinik in Eritrea. Noch wenige Wochen vor seinem Tod hatte er Vorträge geplant. Rüdiger, du hast getan, was (nur) du tun konntest. Wir werden dich und deine fröhliche, zuversichtliche Ader vermissen. Deine Sache geht weiter.

"Sir Vival" Rüdiger Nehberg, aufgenommen am 26.10.2014 in Heidenheim an der Benz. Bild: Thilo Pari via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Rüdiger Nehberg, mit dem freundlichen Einverständnis von

März 2020: Neues in der Behandlung einer Unterzuckerung. Diabetes mellitus ist eine Krankheit, bei der die Insulinwirkung zu schwach ist oder ganz fehlt, dadurch ist der Blutzucker zu hoch. Insulinspritzen und Diabetesmittel wie Glibenclamid können das ausgleichen, führen aber immer wieder zu einer gefährlichen Unterzuckerungen („Hypoglykämie“, umgangssprachlich „Hypo“). Zeichen sind:

  1. Stresssymptome: schneller Puls (> 100/min), Schwitzen mit warmer Haut, weite Pupillen und ein leichtes Zittern der Hände.
  2. Symptome des Zuckermangels im Gehirn: Heißhunger, Kopfschmerzen, Unruhe, Verwirrtheit, scheinbare Betrunkenheit, Lethargie, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, epileptischer Krampfanfall (synchrones Zucken oder Anspannen des ganzen Körpers).

Solange derjenige noch wach ist, bekommt er zwei Stücke Traubenzucker, einen Esslöffel Zucker oder eine zuckerhaltige Limonade oder Tee zu trinken. Ist er bewusstlos, klappt das Schlucken nicht mehr. Dann können ihm Angehörige, Freunde oder Kollegen das Gegenmittel Glukagon sprühen oder spritzen, notfalls auch ohne den Blutzucker zuvor zu messen. Dazu müssen sie wissen, wo das Notfallset aufbewahrt (zu Hause meist im Kühlschrank), wie es vorbereitet, dosiert und angewandt wird:

Neu ist das Baqsimi® Glucagon Nasenpulver, bei < 30°C bis zu 24 Monate haltbar (Verfallsdatum beachten), Zugelassen ab einem Alter von vier Jahren. Abbildung mit der freundlichen Genehmigung der Fa. Lilly Deutschland.

1. Verpackungsfolie am roten Streifen öffnen.

2. Dosisbehältnis aus dem Röhrchen nehmen und zwischen Fingern und Daumen halten, ohne den Kolben zu drücken. Die Einzeldosis erlaubt keine Probeanwendung!

3. Behälter vorsichtig in ein Nasenloch schieben, bis die Finger die Nase berühren. Kolben vollständig durchdrücken, bis der grüne Streifen nicht mehr sichtbar ist.

Bekannt ist das GlucaGen® Hypo-Kit®, Haltbarkeit bei 2 - 8°C bis zum Verfallsdatum, bei < 25°C max. 18 Monate. Abbildung mit der freundlichen Genehmigung der Fa. NovoNordisk Pharma, Mainz. Vier Piktogramme in der Box erläutern die Anwendung.

1. Rosa Schutzkappe vom Fläschchen und die graue von der Spritze abziehen. Dann die Spritze senkrecht in das Fläschchen stechen und die enthaltene Flüssigkeit vollständig hineinspritzen.

2. Die Spritze mit Fläschchen leicht schwenken, bis sich das Pulver darin komplett aufgelöst hat und die Flüssigkeit klar wird.

3. Den gesamten Inhalt (1 ml = 1 IE Glukagon) aufziehen. Große Luftblasen in das Fläschchen zurückspritzen.

4. Bei Kindern unter 25 kg (bis ca. 8 Jahre) nur den halben Inhalt (0,5 ml), bei allen anderen Personen den ganzen (1 ml) in einen Muskel oder unter die Haut spritzen: Zack rein mit der Nadel, am Kolben noch mal ziehen - um zu prüfen, daß kein Gefäß getroff en wurde (dann fließt Blut in Spritze zurück) und hineingespritzt. Sieh´ zu, dass sich niemand an der Nadel verletzt.

Kommt der Betroffene zu sich, muss er in beiden Fällen der Glukagontherapie rasch eine zuckerhaltige Lösung trinken oder Traubenzucker zu sich nehmen und dann zwei Brotscheiben essen. Auch bei Erfolg bleibt es beim Arztbesuch, damit es nicht gleich wieder, am Ende unbemerkt zu einer Unterzuckerung kommt. Bleibt derjenige bewusstlos, kann nur noch der Rettungsdienst weiterhelfen.

Februar 2020: Die Rettungsdecke als Sonnenbrille - Update Schneeblindheit („Verblitzen“). Die gleißende Sonne reizt die Binde- und Hornhaut der Augen innerhalb von Stunden wie bei Schweißarbeiten, erst recht wenn Eis, Schnee, Fels, Sand, oder das Meer das Licht reflektieren. In den Bergen gelangen pro 1000 Höhenmeter 6 - 15% mehr UV-Strahlen zu uns, auch bei Bewölkung. Die Augen tränen, sind gerötet und die verquollenen Lider werden verkrampft zugekniffen. Ein Fremdkörpergefühl weist auf einen Hornhautdefekt, verschwommene Sicht auf eine Hornhauttrübung hin! In 1 - 3 Tagen heilt der Schaden aus. Therapie: Entferne Kontaktlinsen. Kalte Umschläge, Dexpanthenol-Augensalbe, Sonnenbrille, besser die Augen ganz geschlossen halten, Schmerztabletten. Keine örtlich betäubenden Augentropfen: Sie greifen die Hornhaut an! Prophylaxe: Ski- und Sonnenbrillen lassen 8 - 40% des Sonnenlichtes durch, Gletscherbrillen der Klasse 4 nur 3 - 8% und schützen vor seitlichem Streulicht, ihr Nasenleder vor Sonnenbrand. Im Straßenverkehr sind sie verboten. Polarisationsgläser mindern die Reflektionen von spiegelnden Oberflächen, mich persönlich stören sie mehr. Streulicht wird von der dunklen Unterseite einer Hutkrempe oder Kappe geschluckt. Bei starker UV-Strahlung gehört eine Ersatzsonnenbrille ins Gepäck, erst recht bei Gruppen. Notlösungen: (1) Binde eine metallfarbene Rettungsdecke um die Augen, selbst einlagig lässt sie nur noch 1 - 2 % der gefährlichen UV-B-Strahlung und 1 - 8 % des sichtbaren Lichtes durch! Quelle: Isser M et al. Die Rettungsdecke als UV-Schutz. bergundsteigen 2019;28: 90-93 (2) Stecke ein gelochtes Stück Papier hinter die normale Brille. (3) Schneide schmale Sehschlitze in ein Lederband, et voilà, fertig ist deine Eskimobrille! NB: Kontaktlinsen sind in großer Höhe suboptimal: Sie behindern die Sauerstoffversorgung der Hornhaut und trocknen diese aus: mögliche Ursache für schmerzlose Sehstörungen. Ihr UV-Filter schützt nur die Hornhaut, nicht die Bindehaut. Bewahrt man sie bei Minustemperaturen außerhalb des warmen Schlafsacks auf, gefrieren sie. Die erschwerte Hygiene unterwegs provoziert Augeninfektionen.

Dezember 2019: Die 2. Auflage ist da! "Leben retten und medizinische Selbsthilfe" wird komplett überarbeitet und erweitert an die Zwischenhändler ausgeliefert. Das Buch hat nun 594 Seiten, über 1200 Stichwörter und mehr als 800 Querverweise. Die Zahl der Fotos, Zeichnungen und Flussdiagramme ist von 300 auf 360 gestiegen. Aber dank 60 g Papier und DIN A6-Format passt alles noch in die Hosentasche und bleibt unterhalb der Gewichtsgrenze von 300 g.

Dezember 2019: Die Stiftung Warentest hat im Mai 2019 Auslandskrankenversicherungen untersucht: "Die Hilfe, die mit muss" (Download 3,00 Euro). Sie sind essentiell, um unterwegs rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche verlässliche Auskünfte auf Deutsch zu bekommen, wie und wo welches medizinische Problem im Reiseland gelöst wird. Ab dem Anruf der Hotline steht die Versicherung in der Verantwortung, nicht nur die Kosten der Behandlung zu tragen, sondern auch notfalls die Rückholung zu organisieren. Letzteres übernehmen weder die gesetzliche, noch die privaten Krankenversicherungen und kann im Ambulanzjet mehrere zehntausend Euro kosten. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind außerdem auf die der staatlichen Fürsorge im Reiseland beschränkt (... welche vom gewohnten Standart zuhause erheblich abweichen kann ...), noch dazu nicht für alle europäischen Länder und nur wenige außereurpäische. Für mehrmonatige Reisen gibt es spezielle Tarife: "Hilfe für Globetrotter" (Finanztest 10/2016), kostenloser Download.

November 2019: Reiseassozierte Krankheiten 2018. Das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Institutes informiert in der Ausgabe 48/2019 über nach Deutschland importierte Infektionskrankheiten: Fieberhafte Tropenkrankheiten: Malaria: 859 Fälle, vorwiegend Zentral- und Westafrika, in 81% wurde als Erreger Plasmodium falciparum gefunden (M. tropica), drei Frauen starben daran. In Asien (15 Fälle), Papua-Neuguinea (4 Fälle) oder Südamerika (10 Fälle) hatten sich die wenigsten infiziert. Dass Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen wird mit Nachlässigkeit bei der Prophylaxe erklärt. 18% der Erkrankten hatten eine medikamentöse Prophylaxe eingenommen, aber nur ein Drittel von ihnen regelmäßig. Dengue: 635 Fälle, vorwiegend, Indien, Malediven, Sri-Lanka und Südostasien. Häufigstes Reiseland war Thailand mit 245 Fällen, keine tödlichen. Chikungunya (bone-break-fever): 26 Fälle, davon neun aus Kenia importiert. Zika: 18 Fälle, von 8 in Kuba erworben. An Gelbfieber erkrankten drei Brasilienreisende, einer verstarb. Eine fieberhafte Reaktion auf die Gelbfieberimpfung wurde dem Robert-Koch-Institut gemeldet. Durchfallserkrankungen: Lamblien-Durchfälle: Bei 2/3 der 3411 Fälle sind die Herkunftsländer bekannt: Deutschland (45%), Indien (21%), Spanien (5%), Thailand, Kolumbien, Italien, Ägypten u. a. Shigellen-Durchfall: Etwa die Hälfte der 675 Fälle wurden im Ausland erworben, vorwiegend in Ägypten, Indien und in Marokko. Typhus/Paratyphus: 58 bzw. 29 Fälle, ausschließlich ungeimpfte Personen, etwa 2/3 haben sich auf dem Indischen Subkontinent infiziert (Indien, Pakistan, Nepal). Infektiöse Gelbsucht: Wie die ansteckenden Durchfallserkrankungen wird Hepatitis A vom Stuhl des Erkrankten, über seine Hände auf die Nahrung übertragen und so wieder aufgenommen. Es wurden 1043 Fälle 2018 gezählt, soweit feststellbar zu 39% im Ausland erworben, oft in Marokko, Ägypten, Spanien, Rumänien und Italien. 6 Personen starben daran.

Oktober 2019: Die Zukunft der Standortbestimmung von Mobiltelefonen heißt „Advanced Mobile Location® (AML) und ist bereits in Österreich wie einigen anderen europäischen Ländern, den USA, Neuseeland und in den VAE eingeführt. In Deutschland können z. Z. ein Drittel der Leitstellen darauf zugreifen. Integriert in nahezu alle Androidbetriebssysteme (aber nur in wenigen iPhones: iOS erst ab 11.3) erkennt das Handy, wenn die 112 gewählt wird, bestimmt den Standort (via Moblifunkzelle, GPS - selbst wenn diese Funktion ausgeschaltet ist - und WLAN-Stärke) und sendet ihn automatisch als SMS oder Datenpaket an die Leitstelle. Dort erscheint der Standort auf dem Bildschirm des Disponenten. Leider hat AML noch zwei Schwachpunkte: Zu einen funktioniert es nicht, wenn die 112 über ein fremdes Mobilfunknetz weitergeleitet wird (wenn der eigene Mobilanbieter kein Netz hat), zum anderen kann bei Dual-Sim-Handys die SMS/das Datenpaket die andere, „falsche“ Mobilfunknummer enthalten - die zweite also besser deaktivieren. Die bisherige Standortbestimmung ist für die Leitstellen umständlich und ohne GPS-Daten ungenau. In der Schweiz sendet die Rega-App® (vormals iRega®) bei aktiver GPS-Funktion die Anrufer-Koordinaten an die Rega-Rettungsflugwacht und stellt eine Sprachverbindung her. Ähnlich liefert die App EchoSOS® (vormals echo112.com) weltweit eine exakte Positionsangabe von GPS-Mobiltelefonen, welche von jeder Leitstelle genutzt werden kann. Außerdem kann mit der Testfunktion ("Demo-Taste") der eigene Standort auch für Freunde auf www.echo112.com markiert werden. Dazu müssen sie nur die Mobilnummer des Hilfesuchenden einschließlich Ländervorwahl eingeben. Alternativ lässt sich zu diesem Zweck die App "Hilfe im Wald" nutzen. Diese zeigt nicht nur auf den aktuellen Standort mit den nächstgelegenen "Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeuge" an. Dessen Buchstaben-Zahlen-Code kann im Notfall der Leitstelle durchgegeben werden. Braucht man nur Hilfe von Freunden, können die den Code in die Suchfunktion der App eingeben ("Lupe") und sich die Lage auf einer zoombaren Karte anzeigen lassen. Auch für iOS verfügbar, jedoch nicht in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bremen und Berlin.

August 2019: Die ersten Berichte über den Knebelverband (Tourniquet: franz. Drehkreuz, Kreisel) stammen aus den Feldzügen Alexander des Großen. Durch die Kriege im Nahen Osten und Afghanistan wie die Bombenanschläge in unseren Städten hat er eine traurige Renaissance erfahren:

  1. Ist die Methode effektiv? Ja, vorausgesetzt sie wird sofort angewendet, bevor viel Blut verloren geht - logisch.
  2. Kann diese "künstliche Durchblutungsstörung" schädlich sein? Ja, ein Tourniquet schmerzt und verursacht in 3% Taubheitsgefühle, wenn er oberflächliche Hautnerven quetscht. Unter´m Strich ist eine Anwendungsdauer von bis zu sechs Stunden aber unbedenklich.
  3. Ist dazu eine medizinische Berufsausbildung notwendig? Nein. Die Berufsgenossenschaften empfehlen, auch Ersthelfer darin zu schulen, wenn im Betrieb ein entsprechendes Verletzungsrisiko besteht. Seit 2019 unterstützen die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und die Deutsche Traumastiftung die "Trauma-Box" der Fa. Hartmann, in der Piktogramme für die Anwendung des Tourniquet reichen.
  4. Lässt sich der Knebelverband improvisieren? Ob das funktioniert und sich rasch umzusetzen lässt, hängt ganz von dem Material ab, welches gerade zur Verfügung steht. Natürlich lassen sich kommerzielle Produkte sehr schnell einsetzen, aber wette nicht gegen ein Pfadfinderhalstuch: "Wenn es wüst blutet, dann knote ein Halstuch locker um´s Bein und dreh´s mit einem Stock fest." - schrieb 1908 der Gründer Lord Robert Baden-Powell in Scouting for Boys. Amüsant? Nein, der hatte in 30 Jahren als Kavallerieoffizier seiner Majestät genug Gefechtserfahrung gesammelt. Geht auch mit einem gefalteten Dreiecktuch und der Verbandsschere als Knebel aus einem Verbandskasten.
Knebelverband. Pfadi-Version.

Juli 2019: Neue Empfehlungen zur Malariaprophylaxe durch den Ständigen Ausschuss für Reisemedizin (StAR) der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG). Veröffentlicht in: Flug u Reisemed 2019, 26: 105-132. Die Kriterien für eine Notfall-Stand-by-Therapie (bei geringem oder mittlerem Malariarisiko im Zielgebiet) wurden strenger gefasst. So soll die Tabletteneinnahme nur noch erfolgen:

  • bei Fieber über 38°C in der Achselhöhle gemessen (früher: über 38,5°C ohne Angabe des Messortes) - UND -
  • wenn mehr als 6 Tage seit der Einreise in das Malariagebiet vergangen sind (Mindest-Inkubationszeit) - UND -
  • keine Möglichkeit einer ärztlichen Untersuchung incl. Blut-Mikroskopie innerhalb von 48 Stunden (früher 24 h) besteht.

Die verlängerte Zeitspanne von 48 h soll die unnötige Tabletteneinnahme bei kurzen Fieberschüben anderer Ursache vermeiden. Neu sind auch Detailkarten der weltweiten Malariagebiete (gleicher Link), um noch genauer das aktuelle, örtliche Risiko einzuschätzen.

Juni 2019: FSME bei Kindern und Jugendlichen: doch nicht so harmlos? Bislang galt FSME unter Heranwachsenden in aller Regel als harmlos: Lähmungen sind selten und ein schwerer Dauerschaden eine Rarität. Im Vorschulalter tritt die Krankheit nahezu gar nicht auf. Früher erlitten einzelne Kinder bleibende Defekte, doch quasi nur dann, wenn zuvor (a) Kortison unter der falschen Annahme einer bakteriellen Meningitis oder (b) vermeintlich vor FSME schützende Antikörper gespritzt wurden. So impfen die Schweizer erst ab dem 6. Lebenjahr dagegen. Diese Sätze müssen nun überdacht werden. Prof. Dr. med. Robert Steffen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin und WHO Collaborating Centre for Travellers’ Health an der Universität Zürich, hat über 103 Studien zum Verlauf von FSME bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen zusammengefasst. (Ticks and Tick-borne Diseases 10 (2019):100-110)

  • In den Ländern mit mehr als 10 FSME-Fällen/100.000 Einwohner sind unter den Erkrankten 11 - 24% Kinder jünger als 14 Jahre. Bezogen auf die gesamte Europäische Union waren unter den 3953 zwischen 2014 und 2015 Erkrankten 2% Kinder jünger als 6 Jahre (Daten des European Centre for Disease Control).
  • FSME-Symptome sind bei Kinder meist unspezifisch und milder als bei Erwachsenen:
  • Phase 1 (1-6, max. 14 Tage): Fieber, Kopfschmerzen, "Erkältung", allgemeines Krankheitsgefühl, in 1/4 aller erkrankten Kinder wird die Phase gar nicht bemerkt. Teils besteht eine Nackensteife: Hier lässt sich das Kinn sich nicht auf die Brust beugen. Anschließend folgt ein beschwerdefreies Intervall von 2 bis 25 Tagen.
  • Eine Phase 2 findet sich nur in 5 bis 30% der erkrankten Kinder: Hirnhautentzreündung (Meningitis), Zittern der Zunge, Schäfrigkeit, Schwindel, Gang- und Standunsicherheit, Verhaltensänderungen, epileptische Krampfanfälle, Lähmungen im Gesicht oder von Gleidmaßen. Schwere Verläufe sind bei älteren Kindern häufiger. 0 bis 22% werden auf Intensivstationen behandelt. Zwischen 0 bis 10% der neurologischen Ausfälle bleiben dauerhaft bestehen. Allerdings erleiden an Phase 2 erkrankte Erwachsene noch deutlich häufiger dauerhafte Schäden: in 26 bis 46%.
  • Insgesamt starben in Europa zwischen 2008 und 2012 vier Kinder daran, darunter ein unvollständig geimpftes Kind. Sie waren 11 Jahre alt oder älter. 1983 wurde vom Tod eines Fünfjährigen berichtet.
  • Neue Beobachtungen: Zwischen 2004 und 2009 haben drei schwedische Studien mittels sensibler neuropsychologischer Tests bei rund 50% der erkrankten KInder monatelange Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen festgestellt, die auch anhand schlechteren Schulnoten objektivierbar waren. Teils wurden Veränderungen der Gehirnströme (EEG) und in der Magnettomographie (MRT) dokumentiert.

Derzeit liegt das Risiko in den deutschen Risikogebieten bei einer (= Minimum in der Definition) bis max. 48 Erkrankungen/100.000/5 Jahren, also 0,2 bis 10 Erkrankungen/100.000/pro Jahr. Durchschnittlich erkranken hierzulande 380 Personen jährlich daran, 2018 waren es aber 583. In Österreich sanken nach Impfkampagnen die Zahlen um rund 90% unter 1/100.000 pro Jahr und steigen seit wenigen Jahren allmählich wieder an - 2018: 154 Erkranke, d. h. 1,7/100.000. In der Schweiz erkrankten bislang 1,5 bis 3 Personen/100.000 pro Jahr. 2018 waren es auch hier mehr: 376 Fälle, d . h. 4,4/100.000. Erklärt werden die steigenden Zahlen mit wärmeren und längeren Sommern, welche den Zecken bessere Lebensbedingungen bieten. Die WHO empfiehlt FSME-Impfung ab dem 1. (-3.) Lebensjahr in Ländern mit mehr 5 Erkrankungen/100.000/Jahr. Robert Steffen regt als Autor der o. g. Übersichtsarbeit an, das offizielle Vorgehen im Schweizer Impfplan (BAG/EKIF), erst ab dem 6. Lebensjahr gegen FSME zu impfen, zu überdenken. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits ab 1. bis 3. Lebensjahr dazu - in Gebieten mit einer FSME-Rate von (vereinfacht) mehr als einer Erkrankung/100.000 Einwohnern/innerhalb von 5 Jahren - die Latte hängt also 25-mal niedriger als in der WHO-Empfehlung. In Blick auf den gut verträglichen europäischen Impfstoff einerseits wie die durchaus erheblichen Folgen einer FSME andererseits ist das nachvollziehbar. Die Krankenkassen tragen oder bezuschussen die Impfung im privaten, die Arbeitgeber im beruflichen Bereich. Drei Impfungen schützen nahezu zu 100% und werden je nach Land alle 3 - 5 Jahre (A, D), bzw. alle 10 Jahre (CH) aufgefrischt.

Juni 2019: WELCHE SONNENCREME? Oxybenzone in fettfreien Gelen können die Haut irritieren, Akne verstärken, hormonelle Wirkungen haben und im Meer die Korallen angreifen (Mitverursacher der „Korallenbleiche“). Octocrylen als Alternative zu Oxybenzonen scheint auch ungesund für Menschen und Korallen zu sein. Der Inselstaat Palau verbietet ab 2020 Octinoxat, Oxybenzon, Octocrylen, Parabene und Triclosan in Sonneschutzmitteln, Hawai ab 2021 Octinoxat und Oxybenzon. Wahrscheinlich ist eine zink- und titanhaltige ("mineralische") Sonnencreme besser: Zinkoxid wird häufig für wasserfeste Mittel verwendet, erkennbar an der weißlichen Farbe nach dem Auftragen. Es wirkt antibakteriell und wird sonst zur Wund- und Aknebehandlung genutzt. Doch in Form von "Nanopartikeln" wird es in den Körper aufgenommen mit bislang nicht absehbaren Folgen - und schädigt ebenfalls die Meereswelt. Das gilt gleichfalls für Titanoxid. Doch einen Sonnenschutz ausschließlich auf dem Boden von Zink- und Titanoxid - ohne Nanopartikel und dem ebenso entbehrlichem Mikroplastik - zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Verbraucherportal Utopia hat im Mai 2019 neun empfehlenswerte "mineralische" Bio-Sonnencremes ausfindig gemacht, die alle genannten Kriterien erfüllen. Vier davon wurden auch durch Ökotest im Juni 2019 als gut oder sehr gut befunden: Eco Cosmetics Bio-Sonnenschutz, Eubiona Bio-Sonnencreme, Lavera Sensitiv Sonnencreme und Laboratoires de Biarritz Bio-Sonnenschutz Alga Maris. Für längeres Schnorcheln empfehlen sich ein altes T-Shirt (mäßiger UV-Schutz) oder noch besser Badehemden mit hohem UV-Schutz oder Ganzkörper-Schnorchelanzüge aus Lycra. Letztere dienen zusätzlich als Quallenschutz. Nachtrag: Auch die Stiftung Warentest befasste sich im Juli 2019 mit Sonnencremes ("Erstklassiger Sonnenschutz für unter 3 Euro"), leider ohne ökologische Kriterien zu berücksichtigen - die Begründung: das Umweltbundesamt. "Innerhalb der EU wird geprüft, ob die Daten ausreichen, um die Stoffe auch EU-weit zu verbieten." Und: "Nach unserer Meinung reichen die Daten (bzgl. Octinoxat und Oxybenzon) bislang nicht. Wir klären aktuell, ob wir weitere Studien anfordern." Ja, das wäre zumindest ein schöner Anfang, wissenschaftlich betrachtet. Aber Auf-Nummer-Sicher geht anders: Unter denen von Stiftung Warentest mit "gut" bewerteten Produkten befand sich erneut die unbenkliche Lavera Sensitiv Sonnencreme, die es in vielen Drogerieketten und Naturkostläden für 8 bis 10 Euro (100 ml) zu kaufen gibt. Wo ist das Problem?

Mai 2019: Verfälschte Laborwerte bei Einnahme von BIOTIN. (Vitamin B7, Vitamin H). Biotin wird in der Behandlung von Multipler Sklerose und als freiverkäufliches Nahrungsergänzungsmittel für das Nagel- und Haarwachstum sowie für die Haut verwendet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFArM) weist darauf hin, dass Biotin-Präparate Laboruntersuchungen erheblich stören können. Machen Sie bei Blutentnahmen unbedingt darauf aufmerksam, wenn sie diese einnehmen. Beispiele sind: Betapharm Arzneimittel Biotin beta - Dermapharm Deacura - Dyckerhoff Pharma Biotin Asmedic - Hermes Arzneimittel Hermes Biotin - Heumann Pharma Biotin - Hexal AG Biotin - Hübner Naturarzneimittel Biotin S - Kräuterhaus Sanct Bernhard Biotin SB - QUIRIS® Healthcare Biotin Impuls® - ratiopharm GmbH Biotin - Rodisma‐Med Pharma GmbH Natubiotin - Strathmann GmbH & Co. Gabunat/- forte.

April 2019: WARNHINWEISE FÜR CIPROFLOXACIN und andere (Fluor-) Chinolon-Antibiotika, die als Tablette, Infusion oder inhalativ eingesetzt werden. Sie werden auch als Gyrasehemmer bezeichnet. Deren Namen enden in der Regel mit "-floxacin". Ciprofloxacin in Form von Augen- oder Ohrentropfen ist davon nicht berührt. In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) informierten das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) bzw. das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BSAG) Ärzte und Apotheker im Oktober 2018 über ein erhöhtes Risiko für das Aussacken und Reißen der Hauptschlagader (Aorta), besonders bei Personen mit Gefäßsklerose, rheumatischen Gefäßerkrankungen, Bindegewebsschwäche (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom) oder Ältere mit Bluthochdruck. Im April 2019 folgte eine weitere Warnung, die Chinolon-Antibiotika nicht mehr bei harmlosen Infekten oder gar prophylaktisch einzusetzen. Dazu zählen u. a. (1.) Atemwegsinfekte wie: Rachen-, Mandel-, Mittelohr- und Nasennebenhöhlenvereiterungen, eine akute Bronchitis bzw. eine leichte oder mittelschwere, akute Verschlechterung einer COPD ("Raucherlunge", "Blählunge"), (2.) Reisedurchfall sowie (3.) Blasen- oder Harnwegsinfekte. Natürlich sollten (4.) keine Personen mit Chinolonen behandelt werden, die durch sie schon einmal schwere Nebenwirkungen erlitten haben. Neben dem oben genannten Reißen der Hauptschlagader sind dies Sehnen- und Muskelrisse, Sehnen-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlaflosigkeit, Depressionen, allgemeines Schwächegefühl, Vergesslichkeit, Taubheitsgefühl sowie Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmacksstörungen. Bei schweren Infektionen sollte geprüft werden, ob nicht andere Antibiotika besser wären, d. h. bei Gallengangs- oder Dickdarmentzündungen, Cholera, Ruhr, Typhus und Nierenbeckenvereiterungen.

April 2019: PFADI-HELPLINE (Nur für Mitglieder der Pfadibewegung Schweiz; PBS). Die Notfallnummer für´s Ausland ändert sich. Ab Mitte Mai 2019 wird die Nummer +41 580 588 899 gültig sein. Die Notfallnummer für Anrufe aus der Schweiz selbst bleibt gleich: 0800 22 36 39. Alle Angaben ohne Gewähr. Siehe auch: Sarasani Nr. 39 auf S. 10-11.

März 2019: NEUE FSME-RISIKOGEBIETE in Deutschland und in der Schweiz. Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben im Februar 2019 nun die gesamte Schweiz bis auf Genf und das Tessin wegen steigender Erkrankungszahlen zum Risikogebiet für die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erklärt. In Deutschland hat das Robert Koch Institut (RKI) - entsprechend den Daten aus 2018 - fünf weitere Landkreise neu als FSME-Risikogebiete klassifiziert: die Landkreise Emsland, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg a. Lech und der Stadtkreis Kaufbeuren, auf dieser Übersichtskarte sind alle deutschen Risikogebiete verzeichnet. Die Ständige Impfkommision (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in FSME-Risikogebieten draußen Kontakt mit Zecken haben könnten, auch Touristen. Im langjährigen MIttel treten in Deutschland 380 FSME-Erkrankungen jährlich auf, vorwiegend in Süddeutschland. Als Risikogebiet gilt in Deutschland (vereinfacht) ein Land- oder Stadtkreis, wenn im Zeitraum seit 2002, (1.) bezogen auf fünf aufeinanderfolgende Jahre, (2.) mehr als eine Person pro 100.000 Einwohner erkrankt - oder (3.) diese Häufigkeit im Zusammenschluß mit den angrenzenden Landkreisen erreicht wird. (Die bakteriell bedingte Borreliose ist wesentlich häufiger: hier ereignen sich in Deutschland geschätzt 80.000 bis 215.000 Erkrankungen jedes Jahr - zumeist die leicht erkennbare und gut behandelbare Wanderröte.) Weitere FSME-Risikogebiete sind Elsass-Lothringen, einzelne Landstriche in Holland und Norditalien, Österreich, Slowenien, Südschweden, Osteuropa (besonders die baltischen Staaten, Tschechien, Slowakei, Ungarn) und Russland bis nach Nordjapan.

Februar 2019: STABILISIERUNG VON BECKENBRÜCHEN: Der professionelle Rettungsdienst hält spezielle Beckenschlingen bereit, um innere Blutungen durch Beckenbrüche zu bremsen, z. B. SAM Pelvic Sling II. Diese werden in Höhe der Leistenpulse bzw. außen in Höhe der gut tastbaren Oberschenkelhöcker ("Trochanter major") angelegt - niemals höher - und erlauben eine Bandagierung mit wohldosierter Kraft. Ein Video der Österreichischen Bergrettung zeigt eine improvisierte Technik mittels Rettungsdecke und einem Karabinerhaken: Eine gute Idee, wenn fernab von professioneller Hilfe nach schweren Stürzen das Becken schmerzt. Achtung: Prüfe niemals die Beckenstabilität durch das Zusammendrücken von der Seite und vorne: Der Test ist unzuverlässig und provoziert schwerste Blutungen, wenn sich dabei ein Beckenbruch verschiebt! Bevor die Beckenschlinge angelegt wird, müssen harte Gegenstände aus den Hosentaschen entfernt werden: Portemonnaie, Schlüssel, Handy, Messer, Beil.

Januar 2019: VITAMIN D. Bei täglich weniger als 15 - 30 min Sonnenschein an Gesicht und Armen wird zuwenig Vitamin D gebildet. Folgen sind Rachitis bei Kindern (Knochenverformung), Osteoporose bei Älteren ("morsche Knochen": vermehrte Knochenbrüchigkeit) und gehäufte Infekte der oberen Atemwege. Parallel zum Licht- und Vitamin D-Mangel - ob Zufall oder nicht - häufen sich Herz- und Gefäßerkrankungen, Typ 2-Diabetes und Krebsleiden. Auch haben hellhäutige Sonnenvermeider (1) wie Menschen mit dunkler Haut in gemäßigten Breiten (2) eine höhere Gesamtsterblichkeit wie umgekehrt Sonnensucher eine niedrigere: Von den fast 30.000 Teilnehmerinnen einer schwedischen Beobachtungsstudie (1) vermieden 6% die Sonne in jeder Hinsicht. Nach 15 Jahren hatten diese eine Überlebensrate von 93 statt 96%, d. h. doppelt so viele von ihnen waren gestorben! Andere Einflüsse auf die Gesundheit wie Ausbildung, Einkommen, Familienstand, Körpergewicht, Sport, Alkohol und Rauchen hatten die Analysten berücksichtigt. So werden ab dem 40. Lebensjahr täglich 800 Einheiten (I. E.) Vitamin D und kalziumreiche Nahrung (min. 1 g) bei ungenügendem Sonnenlicht empfohlen. Lassen sich die Folgen eines Vitamin D-Mangels wirklich mit ein paar Tablettchen verhindern? Ja, bei Altenheimbewohnern brechen seltener die Knochen! Auch senkt niedrig dosiertes Vitamin D (800 - 2000 E/Tag, bzw. 5000 - 14.000 E/Woche) die Wahrscheinlichkeit von mindestens einem oberen Atemwegsinfekt pro Jahr (Nase, Nasennebenhöhlen und Rachen) relativ um 28% bei Kindern und Jugendlichen und bei niedrigen Vorwerten (25-OH-Vit. D < 25 nmol/L: 55 vs. 40%). Bei Asthmatikern ist der Effekt geringer (51 vs. 47%). Das ergab die Metaanalyse (Zusammenfassung) von knapp 11.000 Personen aus 25 Studien (3). Ähnliche Effekte finden sich bei COPD-Patienten mit Vitamin D-Spiegeln unter 50 nmol/L. Auch ohne, im Labor nachgewiesenen Mangel erscheinen bei spärlichem Sonnenlicht 800 I.E. pro Tag zwanglos klüger als gar kein Vitamin D. Gehäufte Nierensteine oder Störungen der Nebenschilddrüsen konnten in der zitierten Metaanalyse (3) unter 800 I.E./Tag nicht gefunden werden. Dagegen sind ohne tatsächlichen, nachgewiesenen Mangel 2000 - 3000 I.E/Tag zuviel (bzw. 20.000 I.E./Woche): hier verkalken nicht nur die Knochen, sondern auch die Gefäße - und Herzinfarkte nehmen zu!

Dezember 2018. WO sollte man Vitamin D kaufen? In der Dezemberausgabe 2018 macht das Verbrauchermagazin Ökotest einen feinen Unterschied zwischen apothekenpflichtigen, aber wohlgemerkt rezeptfreien Vitamin D-Präparaten, deren grundsätzliche Wirksamkeit es postuliert, und dem in Drogerien und Supermärkten erhältlichen Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel, das es für gesunde Verbraucher als grundsätzlich nutzlos klassifiziert - Zitat: "Nahrungsergänzungsmittel floppen. Alle Arzneimittel können wir empfehlen." Dabei geht die Ökotest-Redaktion vermutlich davon aus, das "Apotheken-Vitamin D" nur nach "ärztlicher Rücksprache und Kontrolle" bzw. Diagnose eines Mangels verkauft wird, das stimmt aber nicht - eben weil es rezeptfrei ist! Paradoxerweise wurden diejenigen Supermarktprodukte abermals abgewertet, welche 1000 I.E. des Vitamins enthalten - ein wenig mehr als empfohlen - wohingegen die apothekenpflichtigen Präparate allesamt 1000 I.E. pro Tablette bieten. Pharmakologisch lässt sich das nicht nachvollziehen. So bediene mich weiter im Supermarkt, wenn mein Alltag nicht genug Sonne bietet.

November 2018. Da es in Deutschland auf absehbare Zeit KEIN NATIONALES ROAMING geben wird, d. h. eine Anbieter-übergreifende Nutzung der Funkmasten, verkleinern zwei SIM-Karten verschiedener Anbieter auf ´s Erste die Löcher im Netz, also am besten ein wassergeschütztes Dual-Sim-Smartphone. Nachtrag Oktober 2019: Hast du kein Netz deines Mobilfunkanbieters, so wird die 112 - nur die 112 und meist nicht die 110 - über fremde Mobilfunknetze weitergeleitet! Beim Wählen der 112 sollte die zweite Karte des Dual-Sim-Handy besser deaktiviert sein, weil sonst die "falsche Nummer" im Datenpaket/in der SMS zur "Advanced Mobile Location" an die Leitstelle geschickt wird, siehe diesbzgl. Eintrag von Oktober 2019.

Oktober 2018. SEENOTRETTUNGSSENDER: Nur "Mayday-Mayday-Mayday" reicht nicht (1). Sie dürfen nicht auf Binnengewässern benutzt werden, unterliegen teils gesetzlichen Auflagen und garantieren keinen direkten Kontakt zu einem „Marine Rescue Coordination Center“. Die Sprachform des Notrufs muss eine exakte Norm erfüllen, damit er überhaupt ernst genommen wird, denn vielerorts quillt der Notfallfunkkanal („Channel 16“) mit Fehlalarmen über! Zu glauben, dass auf ein Funksignal hin Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe prompt ihren Kurs ändern – wäre naiv. Nach internationalem Seerecht müssen sie nur „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ helfen, so geht natürlich deren eigene Sicherheit vor. Auf stark befahrenden „Wasserstraßen“ besteht Kollisionsgefahr mit anderen Schiffen. Außerdem verhindert knapp kalkulierter Schiffsdiesel weitreichende Manöver. Salopp gesagt: weniger wendig als ein Kajak sind sie auch. Zum Nachlesen: (1) Linkenbach C. Verlassen, wenn man sich auf andere verlässt? Caisson Juli 2018, S. 6-19. Voraussichtlich ab Mitte 2019 ist diese Ausgabe der Verbandszeitung der Taucherärzte kostenlos abrufbar.

September 2018: VORSICHT MIT DER HITZEANWENDUNG BEI INSEKTENSTICHEN. Hitze zerstört die Eiweißstruktur von Bienen- und Wespengift. Moderate Hitze kann, sofort angewendet, örtliche und generalisierte allergische Reaktionen komplett verhindern und ist eine sinnvolle Erstmaßnahme - erst recht bei bekannter Allergie! Das erfolgt zum Beispiel mit einem Teelöffelchen aus dem heißen Kaffeebecher oder mit einer Münze, die mit einem Feuerzeug erwärmt wurde. Solange diese noch mit den Fingern gehalten werden kann, sind Verbrennungen unwahrscheinlich. Bite away Cobra ist ein kommerzielles, batteriebetriebenes System für diesen Zweck (20 - 23 Euro), welches für wenige Sekunden auf 51°C aufheizt. Doch Vorsicht: Der Hitzeschmerz (ab 45°C) sollte immer ein Stoppsignal sein - um Hautschäden zu vermeiden. Im September 2018 verurteilte das Amtsgericht Cochem einen Lehrer wegen "gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall" zur Zahlung von 2700 Euro: Er hatte eine erhitzte Gabel auf den Wespenstich eines Schülers gedrückt. Dabei entstand eine Brandblase, welche von einer weiteren Lehrerin eröffnet und mit einer Salbe versorgt wurde. Das wertete das Gericht als "Beihilfe", geahndet mit 2500 Euro... Die Moral aus der Geschichte: Aufsichtspersonen sollten sich mit der Hitzeanwendung vornehm zurückhalten, selbst wenn diese klug und vorsichtig eingesetzt wird. Besser wird es dem Schutzbefohlenen überlassen, ob er sich selbst behandelt. Zudem werden in der Erstversorgung Brand- und Erfrierungsblasen nicht eröffnet, weil durch die geschädigte Durchblutung eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.

August 2018: LED-LAMPEN STÖREN FUNKGERÄTE und den Radioempfang, so eine Mitteilung der US Coast Guard.